Polypen OP beim Kleinkind – ein Erfahrungsbericht

Mein zweijähriger Sohn brauchte wegen vergrößerter Polypen und Paukenergüssen eine Polypen OP. Diese Dinge hätte ich dabei gerne vorher gewusst!

Die Polypen OP ist auch bei kleinen Patienten ein Standardeingriff und gehört in Krankenhäusern zur absoluten Routine. Und trotzdem habe ich Rotz und Wasser geweint, nachdem sie meinen gerade zwei Jahre alten Sohn im Krankenhaus-Gitterbett Richtung OP-Saal schoben. Ich hatte viele Fragen zum Ablauf, nicht nur zur Operation selbst, sondern auch zu dem ganzen Drumherum. Schließlich wollte ich mein Kind bestmöglich unterstützen. Nachher ist man immer schlauer – hier also mein Erfahrungsbericht zur Polypen OP Kleinkind und meine Zusammenfassung der Dinge, die ich gerne früher gewusst hätte und jeder Mama nur ans Herz legen kann.

Muss bei vergrößerten Polypen operiert werden?

Polypen, auch Adenoide oder vergrößerte Rachenmandeln genannt, treten insbesondere bei Kindern zwischen zwei und sechs Jahren häufig auf. Die Entscheidung, ob dein Kind operiert werden muss, sollte der zuständige HNO Arzt entscheiden und die operierende Klinik als herangezogene Zweitmeinung bestätigen. Eine OP birgt immer Risiken, so wollte auch ich als Mutter dies nur eingehen, wenn es keine sinnvolle Alternative gibt.

Probleme mit den Polypen – die Anzeichen

  • Unser Sohn hatte schon als Baby laute Atemgeräusche. Wenn er schlief, konnte man im ganzen Zimmer seiner Atmung lauschen. Nicht selten und insbesondere während Infekten, entwickelte sich dies zu einem lautstarken Schnarchen, das in Tonhöhe wie -stärke kaum von der eines erwachsenen Mannes nicht zu unterscheiden war.
  • Zudem litt unser Sohn an Schlafapnoe. Neben dem Schnarchen fiel uns auf, dass seine Atmung zeitweise aussetzte. Da bleibt einem als Mutter natürlich das Herz stehen. Ich hatte mich über die Zeit aber ein bisschen daran gewöhnt. Er war eben wahrnehmbar beim Schlafen, schlief allgemein schlecht und unruhig, aber welches Kind tut das nicht.
  • Hinzu kamen häufige Infekte. Dauerrotznase von Oktober bis Ostern – wie Winterreifen. Aber auch hier erklärte ich das lange Zeit damit, dass er eben eine große Schwester hat, die die neusten Viren und Bakterien von der Kita mit nach Hause bringt.
  • Seltsam war, dass er seinen Schnuller oft mit den Zähnen festhielt, um ihn im Mund zu behalten, während er auch tagsüber sehr viel durch den Mund atmete.

Rückblickend ist es erstaunlich, warum mir nicht eher aufgefallen war, dass all das zusammenhing. Eine fiese bakterielle Mandelentzündung machte das für uns erst offensichtlich, weil es jede dieser kleinen Indizien auf die Spitze trieb.

Ab zum Arzt – aber zu welchem?

Der Kinderarzt ist immer die erste Anlaufstelle und überweist bei Notwendigkeit zum niedergelassenen HNO Arzt. Da die Polypen, auch Rachenmandeln genannt, für den Kinderarzt im Gegensatz zu den Gaumenmandeln bei geöffnetem Mund nicht einsehbar ist, sollten die oben beschriebenen Symptome (Schnarchen, Schlafapnoe, Dauerinfektionen, Mundatmung) sofern beobachtet, unbedingt im Arztgespräch mitgeteilt werden. Ansonsten kann es sein, dass vergrößerte Polypen dem Kind lange zu schaffen machen, ohne erkannt zu werden. Als unser HNO Arzt uns die OP dringend ans Herz legte, überwies er uns ins Krankenhaus für eine Zweitmeinung und Vorbesprechung. Uns wurde erklärt, dass bei Kleinkindern dieser Eingriff stationär erfolgen muss.

Meine Frage: was, wenn wir es nicht tun?

Mein Sohn war zum Zeitpunkt der Diagnose noch nicht einmal zwei Jahre alt. Musste unbedingt operiert werden? Konnte sich das nicht alles noch verwachsen?

Diese Entscheidung müssen Eltern in Abklärung mit dem behandelnden Arzt treffen. Im Zweifelsfall kann eine Zweitmeinung durch einen anderen Facharzt vielleicht helfen.

Fakt war bei unserem Sohn, dass die vergrößerten Polypen eine physische Barriere darstellten, die sich auch nicht wegtrainieren ließen. Zudem wurden wir eindringlich vor dem Risiko einer Entwicklungsverzögerung gewarnt. Unser Sohn hatte aufgrund der Polypen auch viel Flüssigkeit in beiden Ohren, was seine Hörfähigkeit beeinträchtigte. Insbesondere in der Entwicklungsphase der Sprachentwicklung natürlich ein eindeutiges Handicap, das es zu beseitigen galt.

Ablauf des Krankenhausaufenthalts

Insgesamt waren wir drei Tage im Krankenhaus. Den ersten Tag ambulant für Voruntersuchungen, zur Blutentnahme und Vorgesprächen. Die zwei weiteren Tage stationär zur Polypen OP mit Trommelfellschnitten aufgrund beidseitiger Paukenergüsse und anschließenden Beobachtung.

Tag 1 – Voruntersuchungen

Der erste Tag war rückblickend tatsächlich der zähste. Geschlagene sieben Stunden verbrachten wir im Krankenhaus und ich fühlte mich wie Asterix auf der Suche nach Passierschein A38. Wir tingelten von Station zu Station und mussten zwischendurch vor allem eins: warten! Mein Sohn wurde vom HNO Arzt und vom Kinderarzt untersucht, zudem wurde ich vom Anästhesisten über Ablauf und Risiken der Narkose aufgeklärt. Das größte Drama war selbstverständlich die Blutabnahme!

Mein Tipp: Müsste mein Kind das noch einmal durchstehen, würde ich im Krankenhaus frühzeitig nach einem lokal betäubenden Pflaster für meinen Sohn fragen. Kleinkinder verstehen die Notwendigkeit der Prozedur nicht und wehren sich natürlich mit Händen und Füßen. Vielleicht könnt ihr eurem Kind hier ein bisschen Linderung verschaffen.

Schließlich bekamen wir die Uhrzeit für den OP Termin am nächsten Tag genannt und durften nach Hause gehen.

Tag 2 – vor der OP

Als kleinster OP-Patient des Tages stand mein Sohn zeitlich ganz oben auf der OP-Liste. Glücklicherweise, denn der kleine Mann musste nüchtern sein! Die Polypen OP war für 8 Uhr angesetzt, wir mussten uns um 6:30 Uhr im Krankenhaus einfinden und bezogen dann unser Zimmer auf der Kinderklinik. Mein Kleiner fand das alles aufregend, ich selbst war nervös. Ich erinnerte mich an die Worte unseres Kinderarztes bei der ersten Impfung meiner Erstgeborenen. Er belehrte mich, wie wichtig es sei, dass die Mamas tapfer und positiv bleiben, dann wäre für die Kinder alles nur halb so schlimm. Also tat ich mein bestes, wir erkundeten Zimmer und die Station und wir schauten am Fenster den Rettungswagen und dem Hubschrauber zu.

Eine gute halbe Stunde vor OP Termin bekam mein Sohn „Zaubersaft“ und „Zauberpflaster“ an beiden Händchen. Die betäubenden Pflaster, damit das Legen des Zugangs nicht so schmerzt, wobei ich mich dann fragte, warum man die am Vortag zur Blutentnahme nicht auch hätte nutzen können. Und den Zaubersaft zur Beruhigung („leck-mich-am-A***-Saft“, wie die Schwester mir freundlich erklärte).

Tatsächlich hat der Zaubersaft meinen Kleinen völlig umgehauen. Er wurde ruhig und fröhlich, schließlich kicherte er hinter seinem Schnuller leise vor sich hin. Allerdings muss er auch Halluzinationen bekommen haben, weil er zwischendurch zweimal grundlos erschrak, schrie und auch mich wahrscheinlich nicht mehr erkannte. Das war der Punkt, an dem ich verstand, dass ich jetzt nicht mehr viel für ihn tun konnte. In dem Moment kam auch schon die Schwester und nahm ihn mit. Kurz und schmerzlos, während ich leise in der Ecke des Zimmers in Tränen ausbrach. Später kam die Schwester zu mir und entschuldigte sich für das „Entreißen“ meines Kindes, aber sie mache das schon so lange und es wäre für die Kleinen einfach besser, wenn kein großer Abschied stattfand. Sicherlich hatte sie recht.

Tag 2 – nach der OP

Der Eingriff selbst dauerte etwa zwanzig Minuten. Danach kam mein Sohn aber zunächst auf eine Wachstation und erst nach dem Aufwachen wurde er zurück in das Zimmer gebracht, in dem ich auf ihn wartete. Meiner Bitte, in der Wachstation auf ihn warten zu dürfen, damit er seine Mama sehen kann, wenn er aufwacht, konnte leider nicht stattgegeben werden. Im Nachhinein weiß ich auch, dass ihm das nicht geholfen hätte.

Als ich ihn wiederbekam, lag er schweißgebadet, zitternd und wimmernd in seinem Bettchen und war aber kaum fähig, seine Umgebung wahrzunehmen. Er hat mich erkannt und war sicherlich froh, mich zu sehen, aber vor allem war er fertig und wollte einfach nur schlafen. Den Rest des Tages sorgte ich nach Kräften für ihn, was sich aber auf gelegentliches Händchen halten beim Wiedereinschlafen beschränkte sowie Essen und Trinken, wenn er denn mal wach wurde.

Schluckbeschwerden hatte er erstaunlicherweise nicht und durfte auch nach der OP gleich wieder essen und trinken. Bevorzugt werden sollten weiche, lauwarme oder kalte Speisen, die die Schleimhäute nicht reizen. Mein Sohn wurde das erste Mal zur Mittagszeit richtig wach, verputzte missgestimmt einen großen Teller Nudeln mit Tomatensoße sowie Obstkompott zum Nachtisch und schlief danach gleich wieder ein. Ähnlich verhielt es sich zum Nachmittagssnack und zum Abendessen. Im Grunde schlief er 24 Stunden mehr oder weniger durch.

Tag 2 – Schwierigkeiten mit den Schläuchen

Was ihn sehr störte, waren seine Verkabelung. Über den Zugang am Arm bekam er nach der OP eine intravenöse NaCL-Lösung. Diese wurde ihm abgenommen, als er anfing zu essen und zu trinken. Der Zugang selbst musste aber bis zum Abend noch dran bleiben, falls er bei Komplikationen noch einmal Medikamente hätte bekommen müssen. Glücklicherweise sind das auf der Kinderstation alles Profis. Der Zugang war so einbandagiert, dass nicht mal mein Sohn es geschafft hat, sich den selbst zu ziehen. Falls die betreuenden Pflegekräfte den Zugang abends nicht abnehmen, unbedingt proaktiv danach fragen! Die Belegschaft hat natürlich immer alle Hände voll zu tun, aber wenn nicht mehr notwendig, sollte der für Kinder sehr störende Verband vor der Nacht abgenommen werden.

Das zweite notwendige Übel war die Überwachung von Puls und Sauerstoffsättigung. Diese wird über eine Sonde wie ein Pflaster an den Finger des Kindes geklebt. Alternativ kann man sie aber auch am Zeh befestigen. Hierdurch kann man dem Kind gegebenenfalls etwas Gutes tun, wenn man eine Stelle findet, an der es etwas weniger irritiert.

Tag 3 – Entlassung

Die Nacht im Krankenhaus war recht durchwachsen. Nachdem mein Sohn den ganzen Tag nach der OP brav im Gitterbett geschlafen hatte, wollte er die ganze Nacht bei Mama auf der Besucher-Pritsche liegen. Aber gegen die Wand geschoben war das auch irgendwie möglich. Alle paar Stunden hat die Nachtschwester den Monitor der Sauerstoffsättigung kontrolliert und einmal ging auch der Alarm dieses Gerätes los. Allerdings lag es nur daran, dass mein Kleiner sich im Schlaf seines Überwachungspflasters entledigt hatte. Nach einem kleinen Schockmoment meinerseits habe ich ihm das wieder befestigt und wir konnten weiterschlummern.

Am nächsten Tag war mein Sohn schon fast wieder der Alte. Jetzt konnte auch endlich die Überwachung der Sauerstoffsättigung weg und so ganz ohne Verkabelung fühlte er sich gleich viel wohler. Nach dem Frühstück mussten wir noch ein paar Stunden warten. Zunächst kam die Kinderärztin zur Kontrolle und schließlich der HNO Arzt, der uns nach Untersuchung von Hals und Ohren in die Freiheit entließ!

Nach der Polypen OP

Mein gerade zwei Jahre alter Sohn sollte es nach der OP für acht Tage lang ruhig angehen. Ihr könnt euch sicher vorstellen, wieviel Verständnis ein Kleinkind dafür hat, dem es (ja glücklicherweise) wieder gut ging.

Er sollte nicht baden oder schwimmen, weil neben der Entfernung der Polypen auch Trommelfellschnitte notwendig waren. Hierbei wurde die Flüssigkeit aus den Ohren abgesaugt. Zudem verbot ich ihm Laufrädchen fahren und Trampolin springen. Abgesehen davon lässt sich so ein kleiner Mann aber eben auch nicht festbinden.

Nach einer Woche sollten wir zur Kontrolle beim niedergelassenen HNO Arzt. So spontan hier einen Termin zu bekommen war gar nicht so einfach. Rückblickend hätte ich den Kontrolltermin besser schon eingeplant, nachdem der OP Termin feststand.

Polypen OP beim Kleinkind – gut zu wissen:

  • Am Tag der Voruntersuchungen bereits frühzeitig nach einem schmerzlindernden Pflaster fragen, falls eine Blutabnahme ansteht
  • Mama tapfer – Kind tapfer (geweint wird erst, wenn das Kind außer Sichtweite ist!)
  • Proaktiv fragen, wann nach der OP die Infusion entfernt werden kann
  • Proaktiv fragen, wann der Zugang abgenommen werden kann
  • ruhiges Unterhaltungsmaterial für das Kind mitnehmen (Bücher, Puzzle, Malsachen etc.)
  • Ablenkungssachen für die Mama (das übliche Zeitmanagement für Mütter wird bei so einem Krankenhausaufenthalt komplett auf den Kopf gestellt. Nutze es zur Erholung! Ich habe seit Jahren das erste Mal wieder tagsüber einen Film auf dem Tablet mit Kopfhörern geguckt, nicht cool natürlich in der Situation. Aber auch irgendwie cool)
  • Kontrolltermin beim niedergelassenen Arzt schon einplanen, sobald der OP Termin steht. Oder zumindest die HNO Praxis informieren, wann der OP Termin stattfindet und fragen, ob die Einplanung eines Kontrolltermins nicht vielleicht sinnvoll wäre.
  • Für die Woche nach der OP kein Schwimmbad einplanen, am besten am Tag vor der OP noch einmal ab in die Wanne!
  • Kita war bei uns sechs Tage nach der OP wieder erlaubt

Das Ergebnis der Polypen OP

Jetzt, zwei Wochen nach der OP bin ich heilfroh, dass wir es gemacht haben. Mein Sohn hat noch nie so ruhig und gleichmäßig im Schlaf geatmet, alles Vorherige war sicherlich sehr anstrengend für ihn. Er schnarcht gar nicht mehr, die Atemaussetzer sind verschwunden. Und zudem hört er jetzt Dinge, die er vorher noch nie wahrgenommen hat. Mehrmals am Tag fragt er mich „Laut, oder?“ und ich könnte jedes Mal heulen und ihn küssen, wenn ich ihm die Geräusche erkläre, die er jetzt, vielleicht zum ersten Mal, richtig hören kann. Obendrein macht er gerade einen Riesensprung in der Sprachentwicklung, was damit natürlich direkt zusammenhängt.

Für meinen Sohn, auf Basis seiner Vorgeschichte, war es die absolut richtige Entscheidung. Trotzdem birgt jede Vollnarkose seine Risiken und ist natürlich sorgfältig abzuwägen. Wenn deinem Kind eine Polypen OP bevorsteht, so hoffe ich, dass ich dir den Ablauf verdeutlichen und dir in der gedanklichen Vorbereitung ein wenig helfen konnte. Alles Gute!

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